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Pflanzen

Herbstzeitlose

Colchicum autumnale · Colchicaceae

Die Herbstzeitlose ist eine der eigenwilligsten Zwiebelblumen: Ihre krokusähnlichen, rosavioletten Blüten erscheinen im Herbst nackt aus dem Boden — ganz ohne Blätter, die erst im folgenden Frühjahr nachkommen. So schön der Spätblüher ist, so klar muss man es sagen: Die gesamte Pflanze ist hochgiftig. Wer das weiß und sie richtig platziert, gewinnt einen zauberhaften Farbtupfer für den Oktober-Garten.

Herbstliche Floristik-Impression von Fleura mit zartvioletten Blüten
Licht
Sonnig bis halbschattig; ideal in frischen Wiesen und an Gehölzrändern.
Gießen
Frischer Boden erwünscht; nur bei herbstlicher Trockenheit zusätzlich wässern.
Pflege
Pflegeleicht
Botanisch
Colchicum autumnale

Der Volksmund nennt sie „Nackte Jungfer“, weil die Blüten ohne jedes Laub erscheinen. Der Lebensrhythmus ist verkehrt herum: Blüte im September und Oktober, Blätter und Samenkapseln im Frühjahr, Sommerruhe unter der Erde. Wer im Mai das breite, tulpenähnliche Laub sieht, ahnt oft nicht, dass es zur Herbstblüte gehört.

Trotz des englischen und deutschen Beinamens ist die Herbstzeitlose kein Krokus: Sie gehört zu den Zeitlosengewächsen und hat sechs Staubblätter, echte Krokusse nur drei. Die Unterscheidung ist mehr als Botanik-Wissen — sie ist sicherheitsrelevant, denn während Krokusse nur mäßig giftig sind, kann die Herbstzeitlose tödlich sein.

Ihr Gift ist Colchicin, ein Zellgift, das in allen Pflanzenteilen steckt und auch durch Trocknen oder Kochen nicht zerfällt. Die meisten Vergiftungsfälle entstehen im Frühjahr durch Verwechslung der Blätter mit Bärlauch. Deshalb unsere klare Empfehlung: keine Herbstzeitlosen in Gärten, in denen Kinder spielen, Hunde graben oder Bärlauch wächst.

An der richtigen Stelle ist sie dafür völlig pflegeleicht: eine sonnige bis halbschattige, frische Wiese oder ein Gehölzrand, wo die Knollen im Juli und August etwa zehn Zentimeter tief gesetzt werden. Dort verwildert sie über Jahrzehnte und blüht verlässlich, wenn der Garten schon müde wird.

Kulturgeschichtlich ist die Pflanze bemerkenswert: Colchicin wird seit der Antike gegen Gicht eingesetzt und ist bis heute Arzneistoff — in der Pflanzenzüchtung dient es zudem der Erzeugung neuer Sorten. Ein Beispiel dafür, wie nah Gift und Medizin beieinanderliegen; in Laienhand hat die Pflanze als Heilmittel aber nichts verloren.

Ist Herbstzeitlose giftig für Kinder und Haustiere?

Kinder
Stark giftig
Katzen
Stark giftig
Hunde
Stark giftig

Die Herbstzeitlose ist eine der giftigsten Pflanzen Mitteleuropas. Alle Teile enthalten Colchicin; schon wenige Gramm Blätter oder Samen können für Kinder und Haustiere tödlich sein. Häufigste Gefahr ist die Frühjahrs-Verwechslung der Blätter mit Bärlauch. Bei Verdacht auf Verzehr sofort Giftnotruf bzw. Tierarzt — nicht abwarten.

Typische Symptome: Erst nach Stunden: Brennen im Mund, Übelkeit, heftiges Erbrechen und wässrige bis blutige Durchfälle, Kreislaufversagen; die Verzögerung macht die Vergiftung besonders tückisch.

Im Notfall:Giftnotruf Bonn 0228 19240 (rund um die Uhr) — bei Haustieren direkt die tierärztliche Notfallpraxis kontaktieren. Diese Angaben ersetzen keine (tier)ärztliche Beratung.

Übersicht: giftige & ungiftige Pflanzen für Katzen, Hunde und Kinder

Pflege

  • 01Sonnigen bis halbschattigen Standort mit frischem, nährstoffreichem Boden wählen.
  • 02Knollen im Juli oder August etwa zehn Zentimeter tief pflanzen — immer mit Handschuhen.
  • 03Während der Blüte im Herbst bei Trockenheit gelegentlich wässern.
  • 04Das Frühjahrslaub vollständig einziehen lassen; es versorgt die Knolle.
  • 05Wiesenflächen mit Herbstzeitlosen nicht für Heu oder Tierfutter nutzen.
  • 06Standort klar markieren und Abstand zu Bärlauch-Beständen halten.

Häufige Fragen

Wie giftig ist die Herbstzeitlose wirklich?
Sehr. Das enthaltene Colchicin ist ein Zellgift ohne Gegengift; für ein Kind können bereits wenige Gramm Pflanzenmaterial lebensbedrohlich sein, und auch für Hunde, Katzen und Weidetiere ist die Pflanze hochgefährlich. Bei jedem Verdacht gilt: sofort Giftnotruf oder Tierarzt.
Wie unterscheidet man Herbstzeitlose und Bärlauch?
Die sicherste Probe ist der Geruch: Bärlauch riecht beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch, Herbstzeitlosen-Blätter nicht. Bärlauchblätter sind zudem weich, gestielt und einzeln, die der Herbstzeitlosen fest, ungestielt und mehrere um einen Trieb. Im Zweifel: stehen lassen.
Warum blüht die Herbstzeitlose ohne Blätter?
Das ist ihre Überlebensstrategie: Die Knolle speichert im Frühjahr über das Laub Kraft, ruht im Sommer und schickt im Herbst nur die Blüte nach oben, wenn kaum noch Konkurrenz auf der Wiese steht. Die Samenreife folgt dann mit dem neuen Laub im nächsten Frühjahr.
Ist die Herbstzeitlose ein Krokus?
Nein. Trotz ähnlicher Blüten gehört sie zu einer eigenen Familie, den Zeitlosengewächsen. Erkennbar ist der Unterschied an den sechs Staubblättern — Krokusse haben drei. Es gibt auch echte, herbstblühende Krokusse; die sind deutlich weniger gefährlich.

Herbstzeitlose bei Fleura

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