Pflanzen
Feigenkaktus
Opuntia · Cactaceae
Der Feigenkaktus mit seinen flachen, ohrenförmigen Gliedern ist der wohl bekannteste Kaktus-Umriss der Welt — vom mexikanischen Wappen bis zur Fensterbank. Besonders beliebt ist das „Hasenohr“ Opuntia microdasys mit seinen goldgelben Punkten. Genau diese Punkte haben es allerdings in sich: Es sind Glochiden, feinste Widerhaken-Borsten, die bei Berührung in der Haut stecken bleiben. Mit etwas Abstand betrachtet ist die Opuntie eine der einfachsten und sonnigsten Zimmerpflanzen überhaupt.

- Licht
- Vollsonnig; je mehr direkte Sonne, desto kompakter und blühfreudiger.
- Gießen
- Sparsam — im Sommer nach vollständigem Abtrocknen, im Winter fast gar nicht.
- Pflege
- Pflegeleicht
- Botanisch
- Opuntia
Die Gattung Opuntia ist riesig: vom handlichen Hasenohr-Kaktus (Opuntia microdasys) über den essbaren Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica), dessen Früchte als Kaktusfeigen im Obstregal liegen, bis zu winterharten Arten wie Opuntia humifusa, die bei uns sogar im Freiland überleben. Allen gemeinsam sind die flachen Sprossglieder, aus denen die Pflanze Glied für Glied weiterbaut.
Das Wichtigste vorweg: Gefährlicher als die sichtbaren Dornen sind die Glochiden — winzige, büschelweise sitzende Borsten mit Widerhaken, die sich bei der kleinsten Berührung lösen und in Haut, Lippen oder Pfoten festsetzen. Wir handhaben Opuntien grundsätzlich mit gefalteter Zeitung oder dicken Handschuhen und stellen sie außerhalb von Lauf- und Streichelwegen auf.
Die Pflege ist klassische Kakteenkultur: der sonnigste Platz der Wohnung, durchlässiges mineralisches Substrat, im Sommer mäßig gießen, im Winter hell und kühl bei 5 bis 12 Grad fast trocken halten. Diese kühle Winterruhe ist der Schlüssel zur Blüte — im ganzjährig warmen Zimmer bleibt sie meist aus.
Belohnt wird die Mühe mit großen, seidigen Schalenblüten in Gelb, Orange oder Rot, die direkt am Rand der Glieder sitzen. Bei älteren Pflanzen folgen daraus die charakteristischen tonnenförmigen Früchte. Im Sommer steht die Opuntie gern draußen in voller Sonne — das härtet die Glieder und fördert die Knospenbildung fürs Folgejahr.
Die Vermehrung ist so einfach wie die Pflanze selbst: Ein einzelnes Glied mit Zeitungspapier abnehmen, die Bruchstelle ein bis zwei Wochen antrocknen lassen und aufrecht in trockenes Kakteensubstrat stecken. Nach wenigen Wochen wurzelt es und baut den typischen Glieder-Turm von vorn auf.
Ist Feigenkaktus giftig für Kinder und Haustiere?
- Kinder
- Leicht reizend
- Katzen
- Leicht reizend
- Hunde
- Leicht reizend
Der Feigenkaktus ist chemisch nicht giftig — die Gefahr ist mechanisch: Feinste Glochiden-Borsten lösen sich bei Berührung und setzen sich in Haut, Maul und Pfoten fest. Für Haushalte mit Katzen, Hunden und Kleinkindern nur außer Reichweite geeignet.
Typische Symptome: Nach Kontakt: hartnäckig festsitzende feine Stacheln, Hautreizung und Juckreiz; bei Tieren nach Maulkontakt Speicheln und Scheuern. Glochiden mit Klebeband oder Pinzette entfernen, bei Augenkontakt ärztliche Hilfe.
Im Notfall:Giftnotruf Bonn 0228 19240 (rund um die Uhr) — bei Haustieren direkt die tierärztliche Notfallpraxis kontaktieren. Diese Angaben ersetzen keine (tier)ärztliche Beratung.
Übersicht: giftige & ungiftige Pflanzen für Katzen, Hunde und Kinder
Pflege
- 01Den sonnigsten Platz im Haus geben — Südfenster oder Sommerplatz im Freien.
- 02Im Sommer mäßig gießen, erst wenn das Substrat vollständig trocken ist.
- 03Im Winter hell und kühl (5–12 Grad) und nahezu trocken halten — das fördert die Blüte.
- 04Mineralisches Kakteensubstrat mit gutem Wasserabzug verwenden.
- 05Nur mit dicken Handschuhen oder gefalteter Zeitung anfassen — Glochidengefahr.
- 06Von Frühjahr bis Spätsommer monatlich mit Kakteendünger versorgen.
Häufige Fragen
- Ist der Feigenkaktus gefährlich für Katzen und Hunde?
- Giftig ist er nicht, aber die feinen Glochiden bleiben in Pfoten, Nase und Maul stecken und verursachen schmerzhafte Reizungen. Neugierige Tiere lernen das meist genau einmal. In Tierhaushalten stellen wir Opuntien deshalb nur auf erhöhte, unzugängliche Plätze.
- Wie entferne ich Glochiden aus der Haut?
- Sichtbare Borsten mit einer Pinzette ziehen, den Rest mit breitem Klebeband abheben: aufdrücken, ruckartig abziehen, mehrfach mit frischen Streifen wiederholen. Nicht reiben — dadurch brechen die Widerhaken ab und wandern tiefer. Bei Beteiligung von Augen oder Mund ärztlichen Rat einholen.
- Gibt es winterharte Feigenkakteen für den Garten?
- Ja: Arten wie Opuntia humifusa und Opuntia phaeacantha überstehen mitteleuropäische Winter im Freien, sofern sie absolut trocken und sonnig stehen — ideal ist ein Kiesbeet an der Südwand. Dass die Glieder im Winter schrumpeln und flach aufliegen, ist ihr normaler Frostschutz.
- Kann man die Früchte vom Feigenkaktus essen?
- Die Kaktusfeigen aus dem Handel stammen von Opuntia ficus-indica und sind köstlich. Früchte von Zierpflanzen auf der Fensterbank sind zwar prinzipiell essbar, tragen aber ebenfalls Glochiden und lohnen den Aufwand kaum — zum Naschen lieber die geputzten Früchte vom Obsthändler kaufen.