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Handwerk·6 min Lesezeit·

Adventskranz selber binden: Schritt für Schritt zum eigenen Kranz

Strohring, Tannengrün, Draht und vier Kerzen — wie ein dichter, brandsicherer Adventskranz entsteht, der bis Weihnachten frisch bleibt.

Selbst gebundener Adventskranz aus Tannengrün mit vier Kerzen

Einen Adventskranz zu kaufen dauert fünf Minuten — ihn selbst zu binden dauert eine Stunde, riecht das ganze Wohnzimmer nach Wald und macht aus dem ersten Advent ein kleines Ritual. Das Handwerk dahinter ist einfacher, als es aussieht: Es geht nur darum, kleine Grünbüschel in einer Richtung straff auf einen Ring zu wickeln. Wer die Schuppen-Technik einmal verstanden hat, bindet jeden Türkranz und jede Girlande nach demselben Prinzip.

Warum überhaupt vier Kerzen? Der Adventskranz geht auf den Hamburger Theologen Johann Hinrich Wichern zurück, der 1839 im Rauhen Haus ein altes Wagenrad mit Kerzen bestückte — vier große für die Sonntage, rund zwanzig kleine für die Werktage dazwischen —, damit die Kinder die Tage bis Weihnachten zählen konnten. Geblieben sind die vier großen Kerzen: Mit jedem Adventssonntag brennt eine mehr, das Licht nimmt zu. Der Kreis steht für Ewigkeit, das immergrüne Tannenreisig für Hoffnung und Leben mitten im Winter. Gut zu wissen, während man bindet — es erklärt, warum ausgerechnet Grün und Kerzen zusammengehören.

Material zuerst. Sie brauchen einen Strohring (Durchmesser 25–35 cm für den Tisch, größer für die Tür), grünen Wickeldraht (Bindedraht auf der Rolle), eine kräftige Gartenschere, vier Kerzenhalter mit Dorn oder Spieß, vier Kerzen und ein bis zwei Bund Tannengrün. Beim Grün lohnt sich die Sortenwahl: Nordmanntanne und vor allem Nobilis (Edeltanne) nadeln kaum und behalten ihre Farbe, während billige Fichte nach einer Woche rieselt. Eine Mischung aus Nobilis, etwas Eukalyptus und Beerenzweigen wirkt lebendiger als ein einfarbiger Kranz — und genau diese A1-Qualität, frisch von der Veiling, ist der Unterschied zwischen „hält bis Heiligabend“ und „nadelt am dritten Advent“.

1. Grün vorbereiten. Schneiden Sie das Reisig in kleine Zweige von etwa 8–12 cm Länge. Legen Sie jeweils drei bis fünf Zweiglein zu einem flachen Büschel zusammen, leicht gefächert. Halten Sie sich einen Vorrat solcher Büschel bereit, bevor Sie anfangen — nichts unterbricht den Fluss mehr als Schnippeln zwischendurch.

2. Draht fixieren. Wickeln Sie das lose Drahtende drei- bis viermal fest um den Strohring und verdrillen Sie es, sodass es hält. Wichtig: Der Draht läuft jetzt von der Rolle und wird nicht mehr abgeschnitten — Sie binden den ganzen Kranz mit einem durchgehenden Faden.

3. In Schuppen wickeln. Legen Sie das erste Büschel flach auf den Ring und wickeln Sie den Draht drei- bis viermal straff über die Stielenden — ruhig fester, als sich richtig anfühlt, das Grün sackt später nach. Legen Sie das nächste Büschel leicht versetzt darüber, sodass seine Spitzen die Drahtwicklung des vorigen verdecken, wie Dachschindeln oder Fischschuppen. Immer in dieselbe Richtung weiterarbeiten und dabei auch die Außen- und Innenkante des Rings mit abdecken, nicht nur die Oberseite.

4. Den Kreis schließen. Beim letzten Büschel heben Sie die Spitzen des allerersten Büschels an und schieben die Stiele darunter, damit kein kahler Übergang entsteht. Draht festziehen, mehrfach verdrillen, Ende unter dem Grün verstecken. Jetzt mit der Schere abstehende Zweige zurückschneiden, bis der Kranz eine gleichmäßige, dichte Form hat. Kleine Lücken füllen Sie mit einzelnen eingesteckten Zweigen.

5. Kerzen sicher befestigen — der wichtigste Schritt. Stecken Sie Kerzenhalter mit Dorn oder Spieß fest in den Strohring, nicht nur ins Grün. Für extra Halt lassen Sie ein paar Tropfen Wachs in den Halter laufen und drücken die Kerze hinein, solange es weich ist. Verteilen Sie die vier Kerzen gleichmäßig im Kreis. Brennende Kerzen und trockenes Tannengrün sind eine echte Brandgefahr: Lassen Sie den Kranz nie unbeaufsichtigt brennen, halten Sie Abstand zwischen Flamme und Grün, und tauschen Sie heruntergebrannte Kerzen rechtzeitig aus. Auf Haarspray zum „Haltbarmachen“ unbedingt verzichten — es ist leicht entzündlich, trocknet das Grün zusätzlich aus und ist in Kerzennähe brandgefährlich.

So bleibt er frisch. Tannengrün lebt von Feuchtigkeit. Sprühen Sie den Kranz alle ein bis zwei Tage mit Wasser ein und stellen Sie ihn nachts kühl — Flur, Balkon oder Keller. Je weiter weg von Heizung und direkter Wärme, desto länger hält die Farbe. Ein gut gebundener Nobilis-Kranz übersteht so locker alle vier Adventswochen. Und wenn die Kerzen abgebrannt sind, lässt sich das Prinzip auf Türkranz, Tischgirlande oder Treppengeländer übertragen — gebunden wird immer gleich.

Häufige Fragen

Welches Tannengrün hält am längsten im Adventskranz?
Nobilis (Edeltanne) und Nordmanntanne nadeln am wenigsten und behalten ihre Farbe über Wochen. Nobilis bekommt selbst trocken nur einen leicht silbrigen Ton, statt zu rieseln. Fichte dagegen nadelt schnell und eignet sich kaum. Eine Mischung mit Eukalyptus oder Beerenzweigen bleibt ebenfalls lange ansehnlich.
Wie befestige ich die Kerzen sicher auf dem Adventskranz?
Verwenden Sie Kerzenhalter mit Dorn oder Spieß und stecken Sie diese fest in den Strohring, nicht nur ins Grün. Ein paar Tropfen flüssiges Wachs im Halter geben zusätzlichen Halt. Wichtig: Kranz nie unbeaufsichtigt brennen lassen, Flamme von trockenem Grün fernhalten und Kerzen rechtzeitig austauschen.
Wie lange im Voraus sollte ich den Adventskranz binden?
Ein bis zwei Tage vor dem ersten Advent ist ideal. Frisch gebunden sieht der Kranz am dichtesten aus, und mit täglichem Einsprühen und kühler Lagerung über Nacht übersteht gutes Tannengrün problemlos alle vier Adventswochen. Wer zu früh bindet, verliert vor allem bei minderwertigem Grün früh die Frische.
Brauche ich einen Strohring oder geht auch etwas anderes?
Der Strohring ist der Klassiker, weil Draht und Kerzenspieße gut darin halten und er das Grün stabil trägt. Alternativen sind ein Drahtkranz-Rohling oder ein Steckschaum-Ring — letzterer hält das Grün feucht, eignet sich aber wegen der offenen Flamme weniger gut für brennende Kerzen. Für einen klassischen, gebundenen Adventskranz ist der Strohring die sicherste Wahl.

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