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Handwerk·6 min Lesezeit·

Strauß selber binden: Was Floristen anders machen

Die Technik dahinter ist einfacher, als sie aussieht. Hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung, ohne Mystifizierung.

Floristin bindet Strauß in der Werkstatt

Wer einmal beobachtet hat, wie ein Florist einen Strauß bindet, weiß: das geht in einer Minute, ohne Hektik, ohne sichtbares Korrigieren. Die Technik heißt Spiralbindung, und sie ist mit etwas Übung erstaunlich zugänglich.

Vorbereitung: alle Blumen schräg anschneiden, untere Blätter entfernen (alles, was später unter der Bindestelle wäre, muss weg). Sortiere die Sorten in Häufchen vor dir auf den Tisch — Hauptblumen, Sekundärblumen, Beigrün getrennt.

Halte den ersten Stiel zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand (für Rechtshänder). Er ist die Achse — diese Achse bestimmt später die Mitte des Straußes. Idealerweise eine der schöneren Blumen, weil sie das visuelle Zentrum bildet.

Lege jeden weiteren Stiel ZUR GLEICHEN SEITE — immer in derselben Richtung über den vorherigen, schräg nach links. So entsteht die Spirale. Das ist der einzige wichtige Trick: niemals einen Stiel gegen die Spirale legen, sonst bricht die Struktur.

Rotiere den Strauß nach jedem oder jedem zweiten Stiel ein Stück gegen den Uhrzeigersinn in der linken Hand. So verteilen sich die Blumen rund herum und nicht auf einer Seite.

Sortiere optisch beim Hinzufügen: lieber abwechselnd verschiedene Sorten als alle Rosen erst, dann alle Tulpen. Das gibt rhythmische Verteilung statt Klumpen.

Wenn der Strauß die gewünschte Fülle hat, halte die Bindestelle fest (zwei Finger umfassen alle Stiele auf etwa einer Hand­breite vom oberen Ende) und binde mit Bindedraht, Bast oder einer Schnur fest. Floristen nutzen oft dünnen flexiblen Draht — knot­frei, einfach umwickeln und einhängen.

Schneide die Stielenden auf gleicher Länge schräg ab — etwa 5–8 cm unter der Bindestelle, damit der Strauß in der Vase gut Wasser zieht. Der schräge Schnitt verhindert, dass Stiele am Vasenboden andocken und blockieren.

Was den Unterschied macht: Geduld am Anfang. Die ersten drei bis fünf Sträuße werden klumpig, schief oder zu kompakt aussehen. Das ist normal. Nach dem fünften gelingt es plötzlich.

Werkzeug: ein scharfes Messer (besser als Schere — quetscht nicht), Bindedraht oder dünne Schnur, eine glatte Tischfläche und eine Vase mit frischem Wasser für danach. Mehr braucht es nicht.

Stilrichtungen: ein „runder“ Strauß ist gleichmäßig hoch, ein „spiralbindiger“ (klassisch) hat eine sichtbare Spiralstruktur am Stiel-Ende, ein „Phasen-Strauß“ hat eine asymmetrische Hochpunkt-Setzung. Wir empfehlen Anfänger:innen die runde Variante — verzeiht am meisten.

Häufige Fragen

Welche Blumen eignen sich für Anfänger:innen?
Stabile, gerade Stiele helfen: Rosen, Lisianthus, Pfingstrosen, Sonnenblumen. Tulpen sind tückisch, weil sie nach dem Schneiden wieder Richtung Licht wachsen — der Strauß verformt sich über Nacht.
Brauche ich spezielles Werkzeug?
Nein. Ein scharfes Küchenmesser und etwas Bindedraht oder dünne Schnur reichen. Floristik-Scheren sind zwar präziser, aber kein Muss.
Wie viele Stiele sollte ein selbstgebundener Strauß haben?
Für Anfänger:innen: 12–18 Stiele in drei bis fünf Sorten. Weniger ergibt karge Sträuße, mehr wird unhandlich. Mit Übung kann man auf 25–35 Stiele steigern.
Kann ich auch ohne Spiralbindung einen Strauß binden?
Ja — gebündelt (alle Stiele parallel) funktioniert, sieht aber steifer und weniger füllig aus. Spirale ist beliebter, weil sie automatisch Volumen erzeugt und der Strauß freistehen kann.

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